Lexikon

Inhalt:
      

1. Anschlussfuge     23. Gebäudetrennfuge
2. Anstrichverträglichkeit  24. Glättmittel
3. Ablüftzeit  25. Hinterfüllmaterial/Rundschnur
4. Bauteilfuge  26. Hochbaufuge nach DIN 18540
5. Bedarfermittlung  27. IVD-Merkblätter
6. Bodenfuge  28. mechanische Belastung
7. Chemikalienbeständigkeit  29. Mindestfugenbreite
8. Dehn-/Spannungswerte  30. Primer/Haftvermittler
9. Dichtstoffe  31. Rückstellvermögen
10. DIN Normen  32. Schimmelpilzbefall
11. Dreiflankenhaftung  33. Schwund
12. Durchärtungszeit  34. Überstreichbarkeit nach
        DIN 52460
13. Einsatzgebiete von Dichtstoffen  35. Unverträglichkeit
14. Fase  36. Verformbarkeit
15. Frühregenfestigkeit  37. Wartungsfuge
16. Fuge  38. Düse
17. Fugenbänder  39. Silikone
18. Fugenbewegung  40. Polyurethane PU
19. Fugendimensionierung  41. MS-Polymer Produkte
20. Fugen im Wärmedämm-Verbundsystem  42. Polysulfide
21. Fugensanierung  43. Kautschukprodukte
22. Fungizide/pilzhemmende Einstellung  


  
1. Anschlussfuge

Fuge zwischen Bauteilen, die sich vom Material oder ihrer Funktion unterscheidet. Anforderungen an den Dichtstoff: Neben einer guten Haftung am Untergrund, besonders im Fensteranschlussbereich, muss der Dichtstoff ungehinderte Bewegungen der Bauteile zulassen. Auftretende Spannungen dürfen nicht auf den Untergrund übertragen werden, da ansonsten, z.B. bei Fassadenputzen mit geringer Festigkeit, Spannungsrisse oder ablösungen auftreten.

2. Anstrichverträglichkeit

Anstrichverträglichkeit bedeutet die Möglichkeit einen Beschichtungsstoff/Anstrich bis auf 1 mm über den Fugenrand hinweg auf den Fugendichtstoff zu streichen. Anstrich und Fugendichtstoff müssen deshalb auf ihre Verträglichkeit geprüft werden, damit sie sich nicht gegenseitig in ihrer Wirkung beieinträchtigen.

3. Ablüftzeit

Zeitspanne zwischen dem Auftragen des Primers bzw. Haftvermittlers und dem Auftragen des Dichtstoffes. Wird die Ablüftzeit nicht eingehalten, kann es zu Haftungsproblemen kommen.

4. Bauteilfuge

Fuge zwischen Bauteilen an gleichartigem Material oder mit gleichartiger Funktion. Anforderung an den Dichtstoff: optimaler Verbund der Bauteile mit sicherer Haftung an den Fugenflanken. Der Dichtstoff muss für das Einsatzgebiet geeignet sein.

5. Bedarfermittlung

Die Formel für optimale Fugenabdichtungen: Fugenbreite [cm] x Fugendicke [cm] x 100 cm = Bedarf in ml/m

6. Bodenfuge

Fugen an Bodenflächen, die begangen, befahren, auf denen schwere Lasten abgestellt werden oder Fugen, auf die in den Bereichen Gewässerschutz, Abwasser und Chemikalien aggressive Flüssigkeiten einwirken. Beim Abdichten von Bodenfugen werden an den an den Dichtstoff spezielle Anforderungen gestellt. Der Auszuführende muss entsprechend den anstehenden Belastungen, die Konstruktion und Ausführung der Fuge planen. Begangene Bodenfugen dürfen keine Stolperfallen sein, der Dichtstoff muss eben und glatt die Bodenteile verbinden. Bei befahrenen oder mit stehenden Lasten, wie z.B. schweren Paletten belasteten Bodenfugen, muss der Fugenrand abgefasst sein: Der Dichtstoff liegt nicht eben, sondern vertieft in der Bodenfug. Dadurch wird der Kontakt von Reifen und Dichtstoff vermieden. Die im flachen Winkel abgefasten Fugenflanken brechen auch bei starker Belastung nicht ab.
Anforderung an den Dichtstoff:
Unentpfindlichkeit gegen mechanische Belastungen sowie Beständigkeit gegen Reinigungsmittel und hohe Wassertemperaturen beim Säubern der Bodenflächen. Bei chemisch belasteten Bereichen muss die Chemikalienbeständigkeit des Dichtstoffes den Belastungen entsprechen. Die Abdichtung von Bodenfugen in Beton oder Estrich im Innen- und Außenbereich, die ruhenden Lasten oder rollendem Verkehr ausgesetzt sind, regelt das IVD-Merkblatt Nr.1.

7. Chemikalienbeständigkeit

Die Chemikalienbeständigkeit eines Dichtstoffes ist abhängig von der Konzentration, Dauer und Temperatur der Chemikalieneinwirkung. Sie wird vom Hersteller geprüft und im Technischen Merkblatt des Dichtstoffes angegeben.

8. Dehn-/Spannungswerte

Spannung ist eine Zugbelastung, die bei Dehnung eines Dichtstoffes an den Haftflächen der Bauteile auftritt. Beuteile mit geringer Festigkeit (z.B. Putz und Mörtel) erfordern Dichtstoffe, die auch in Kälte nur geringe Zugspannung auf den Untergrund übertragen. Die Einteilung und Klassifizierung von Dichtstoffen für die Fensteranschlussfuge – nach Anforderung an den Untergrund – erfolgt nach IVD-Merkblatt Nr.9.

9. Dichtstoffe

Polyurethan bzw. PUR-Dichtstoffe:
1-K- bzw. 2-K-Dichtstoffe mit hoher Weiterreißfestigkeit und hoher Reißdehnung für den Hoch- und Tiefbau. Das Rückstellvermögen beim Abbau von Spannung beträgt meist > 70%. Darüber hinaus verfügen PUR-Dichtstoffe über ein breites Haftspektrum.

Silikon-Dichtstoffe:

Dichtstoffe mit hoher UV-Beständigkeit, guter Glashaftung und geringer Weiterreißfestigkeit. Das Rückstellvermögen ohne Spannungsabbau beträgt fast 100%. Allerdings besteht die Gefahr der Randzonenverschmutzung durch Silikonöle.

  • Essigsäuren-vernetzende Silikone:

Die “Sanitärsilikone” haften nicht auf alkalische Untergründen, z.B. Beton oder zementgebundenen Untergrund, sind fungizied ausgestattet und somit Pilzhemmend.

  • Neutral-vernetzende Silikone

Verglasungsdichtstoffe mit guter Haftung auf Kunststoffen und Lacken, UV- und Witterungsbeständig, gut geeignet für den Außenbereich.

  • Acryl-Dichtstoffe

Wässrige, plastoelastische Acryl-Dispersionen mit geringer Bewegungsaufnahme, mit hohem Schwund und schlechten Hafteigenschaften. Für Innenfugen mit geringer Beanspruchng, günstig im Preis.

10. DIN Normen

Normen für Dichtstoffe im Hochbau:

  • DIN 18540 “Abdichten von Außenwandfugen im Hochbau mit Fugendichtstoffen”
  • DIN 18545 Teil 1-3 “ Abdichten von Verglasungen mit Dichtstoffen”

11. Dreiflankenhaftung

Die Dreiflankenhaftung reduziert die Verformbarkeit des Dichtstoffes und sollte deshalb generell vermieden werden. Dichtstoffe sollten sich ähnlich wie ein Gummiband verformen können, d.h. Nur an zwei Seiten haften.

12. Durchärtungszeit

Ist die Zeit, die ein 1-K-Dichtstoff in Millimeterschritten benötigt um durchzuhärten. Sie verläuft nicht gleichmäßig, sondern verlangsamt sich mit zunehmenderm durchgehärteter Schichtdicke: z.B. 3 mm in 24 h und 7 mm in 72 h. Die Durchhärtung ist abhängog von Temperatur, Luftfeuchtigkeit und vom jeweiligen Dichtstoff. Erst nach vollständiger Durchhärtung ist ein Dichtstoff voll funktionsfähig.

13. Einsatzgebiete von Dichtstoffen

Folgende Einsatzgebiete für Dichtstoffe sind in Richtlinien oder Normen definiert:

  • Außenfugen im Hochbau (nach DIN 18540) Anschlussfugen an Fenstern und Außentüren (IVD-Merkblatt Nr. 9)
  • Fugen im Sanitärbereich (IVD-Merkblatt Nr. 3)
  • Fugen im Nassbereich (IVD-Merkblatt Nr. 3)
  • Fugen im Bodenbereich (IVD-Merkblatt Nr. 1)
  • Glasversiegelung (nach DIN 18545)

Rissabdichtungen, Trockenbaufugen und Anschlussfugen im Innenbereich sind nicht nach Richtlinien definiert.

14. Fase

Die Fase ist eine abgeschrägte Bauteilkante hin zur Fugenvertiefung. Fasen werden hauptsächlich bei Betonfertigteilen oder befahrenen Bodenfugen angebracht.

15. Frühregenfestigkeit

Um teilweise oder vollständige Auswaschung bei neueingebrachten Dichtstoffen zu vermeiden, werden im Außenbereich vorwiegend frühregenfeste Dichtstoffe (Polyurethane - MS Polymere) eingesetzt. Diese sind nach DIN 18540-F geprüft und gekennzeichnet.

16. Fuge

Beabsichtigter bzw. Toleranzbedingter Raum zwischen Bauteilen.

17. Fugenbänder

Elastische Fugenbänder werden mit den entsprechenden Klebstoffen über die Fuge geklebt. Sie werden hauptsächlich zur Fugensanierung eingesetzt – wenn der alte Fugendichtstoff die Abdichtung und Bewegungsaufnahme nicht mehr gewährleistet, schwer zu entfernen oder die Fugenbreite zu gering ist.
Fugenbänder werden außerdem bevorzugt bei Fugen, die im Winkel zweier Bauteile entstehen, eingesetzt. Die Abdichtung mit elastischen Fugenbänder beschreibt das IVD-Merkblatt Nr. 4.

18. Fugenbewegung

Dichtstoffe sind den verschiedensten Bewegungen ausgesetzt: Dehnung, Stauchung und Scherung, aus denen die Summe der zulässigen Gesamtverformung in Prozent errechnet wird. Diese beschreibt die dauerhafte Bewegungsfähigkeit eines Dichtstoffes.

19. Fugendimensionierung

Fugendimensionierung ist das vorgeschriebene Verhältnis zwischen Fugenbreite und der einzubringenden Dicke des Dichtstoffes. Außenfugen im Hochbau werden nach DIN 18540, Bodenfugen nach IVD-Merkblatt Nr. 1 verfugt.

20. Fugen im Wärmedämm-Verbundsystem

Diese Fugen müssen nach dem BFS-Merkblatt Nr. 21 “Technische Richtlinien für Wärmedämm-Verbundsysteme” im Allgemeinen elastisch abgedichtet werden. Je nach Anforderung mit spritzbaren Dichtstoffen oder mit elastischen Fugenbändern.

21. Fugensanierung

Wenn Fugen in ihren ursprünglichen Zustand gebracht werden, müssen alte, schlecht haftende Dichtstoffreste und Hinterfüllmaterialien vollständig entfernt werden. Damit die Fuge neu verfugt werden kann, werden die Fugenflanken durch Abschleifen vom eingedrungenen Dichtstoff befreit.

22. Fungizide/pilzhemmende Einstellung

Fungizide schützen die Oberfläche eines Dichtstoffes vor Pilzbefall. Ein genereller Schutz ist allerdings nicht möglich, da die fungizide Einstellung als löslicher Stoff mit der Zeit ausgewaschen wird und somit ihre Wirkung verliert. Die fungizide Einstellung ist beim Einsatz von Dichtstoffen im Sanitär- und Nassbereich vorgeschrieben (IVD-Merkblatt Nr. 3).

23. Gebäudetrennfuge

Abstände zwischen Gebäuden und Gebäudeteilen werden als Gebäudetrennfuge bezeichnet. Glasversiegelung, Glaselement und Fensterrahmen werden miteinander elastisch verbunden und versiegelt. Die Gebäudetrennfuge unterliegt der DIN 18545 “Abdichten von Verglasungen mit Dichtstoffen.”

24. Glättmittel

Wird nach dem Ausspritzen des Dichtstoffes zum Glätten der Dichtstoffoberfläche eingesetzt. Bei Acryl-Dispersionen wird hingegen klares Wasser verwendet. Achtung: Benutzen Sie kein wasserverdünntes Spülmittel oder Haushaltsreiniger. Diese könnten fungizide Einstellungen von z.B. Silikon beeinträchtigen, auch können Oberflächenverfärbungen beim Fugendichtstoff nicht ausgeschlossen werden.

25. Hinterfüllmaterial/Rundschnur

Eine Rundschnur wird zur Begrenzung der Dichtstoff-Füllmenge in die Fuge vorgelegt und bewirkt das saubere Abfließen des Dichtstoffes beim Abglätten. Wir empfehlen geschlossenzellige PE-Rundschnüre, die eine Dreiflankenhaftung und Ausgasungen in den Dichtstoff vermeiden.

26. Hochbaufuge nach DIN 18540

Der Anwendungsbereich für Hochbaufugen nach DIN 18540 sind Außenwandfugen zwischen Bauteilen aus Ortbeton, Betonfertigteilen sowie aus unverputztem Mauerwerk und Natursteinen.

27. IVD-Merkblätter

IVD-Merkblätter sind technische Informationen des Industrieverbandes Dichtstoffe e.V. Für Einsatzgebiete von Dichtstoffen, für die keine DIN-Norm vorliegt. Alle IVD-Merkblätter sind über den Industrieverband Dichtstoffe e.V., Emmastraße 24, 40227 Düsseldorf, Telefon 0211/90 48 70 zu beziehen.

IVD-Merkblatt Nr. 1
Abdichtung von Bodenfugen mit elastischen Dichtstoffen.
IVD-Merkblatt Nr. 2
Dichtstoffcharakterisierung
IVD-Merkblatt Nr. 3
Konstruktive Ausführung und Verarbeitung der Fugen im Nassbereich.
IVD-Merkblatt Nr. 4
Abdichten von Fugen im Hochbau mit Elastomer-Fugenbändern unter Verwendung von ausreagierenden Klebstoffen.
IVD-Merkblatt Nr. 5
Butybänder
IVD-Merkblatt Nr. 6
Abdichten von Bodenfugen mit elastischen Dichtstoffen im befahrbaren Bereich an Abfüllanlagen von Tankstellen
IVD-Merkblatt Nr. 7
Elastischer Fugenverschluss bei Fassaden aus angemörtelten keramischen Fliesen.
IVD-Merkblatt Nr. 8
Konstruktive Ausführung und Abdichtung von Fugen im Holzfassbodenbereich.
IVD-Merkblatt Nr. 9
Dichtstoffe in der Anschlussfuge für Fenster und Außentüren. Grundlagen für Planung und Ausführung.

28. mechanische Belastung

Widerstandsfähigkeit der Dichtstoffoberfläche gegen Belastungen, wie z.B. Reinigungsvorgänge, Trittbelastung oder Stöße schwerer Lasten u.ä.

29. Mindestfugenbreite

Mit Ausnahme der Glasversiegelung ist das Abdichten mit elastischen Fugendichtstoffen bei einer Fugenbreite unter 10 mm nicht zulässig. Die Mindestfugenbreite ist von der Größe der abzudichtenden Bauteile sowie von den zu erwartenden Temperaturunterschieden abhängig. Für Fugen im Hochbau ist die Mindestfugenbreite in DIN 18540 geregelt.

30. Primer/Haftvermittler

Auf bestimmten Untergründen ist für eine optimale Haftung ein Voranstrich/Primerauftrag zwingend erforderlich. Der Primer ist kein Reinigungsmittel und ersetzt nicht die nötige Reinigung der Fugenflanken.

31. Rückstellvermögen

Die Fähigkeit eines Dichtstoffes sich bei kurzer mäßiger bis starker Ausdehnung auf sein Ausgangsmaß zurückzubilden. Zur Charakterisierung von Dichtstoffen wird das Rückstellvermögen nach DIN EN 27389 zurate gezogen.
Das Rückstellvermögen gibt keinen Aufschluss über Spannung, d.h. Zugkräfte, die der Dichtstoff auf die Fugenflanken abgibt. Auch ist nicht gewährleistet, ob der Dichtstoff auf Dauer den zur Ermittlung des Rückstellvermögens angewandten Spannungen standhält oder es zum Riss im Dichtstoff kommt. Die erste Wahl sind daher Polyurethane oder MS Polymere, die Spannungen im Dichtstoff auch auf Dauer abbauen, ohne ihr Rückstellvermögen zu verlieren und darüber hinaus keine Zugbelastungen auf die Fugenränder übertragen.

32. Schimmelpilzbefall

Tritt häufig in Nass- und Sanitärbereichen auf. Eine hohe Luftfeuchtigkeit, höhere Temperaturen, stehendes Wasser in Hohlkehlen aufgrund mangelhafter Fugenausbildung sind u.a. Ausschlaggebende Faktoren. Fungizide eingestellte Dichtstoffe hemmen den Befall, können ihn aber auf Dauer – Fungizide werden als lösliche Stoffe im Laufe der Zeit ausgewaschen – nicht verhindern.

33. Schwund

Durch das Verdunsten von Lösungsmitteln oder anderen Inhaltsstoffen, wie z.B. Wasser in vielen Acryl-Dichtstoffen, verändert sich das Dichtstoffvolumen. Deshalb muss gewährleistet werden, dass auch nach dem Schwund die vorgegebene Dichtstoffdicke eingehalten wird.

34. Überstreichbarkeit nach DIN 52460

Überstreichbar ist ein Dichtstoff, der ganzflächig deckend mit einem oder mehreren Anstrichen beschichtet werden kann, ohne dass sich Wechselwirkungen ergeben. Hierzu müssen vom Hersteller Prüfungen nach DIN 52452-4 vorliegen. Wird in Ausnahmefällen die Beschichtung von bewegungsausgleichenden Dichtstoffen verlangt, müssen sowohl der Dichtstoff als auch der Anstrich folgende Forderungen erfüllen:

  • Beschichtung der Dichtstoffoberfläche
  • Einwandfreie Durchtrocknung der Beschichtungen
  • Haftung der Beschichtung auf dem Dichtstoff
  • Dehnfähigkeit ohne Rissbildung in der Beschichtung

Mangelnde Dehnfähigkeit, die Risse in der Beschichtung verursacht, führt häufig zu Beanstandungen und der Aufwand für deren Beseitigung ist enorm hoch. Wir empfehlen: Überstreichen Sie Dichtstoffe in Dehnungsfugen nicht. Sollte dies jedoch ausdrücklich gefordert werden, schließen Sie eine Gewährleistung aus.

35. Unverträglichkeit

1. Weichmachermigration aus der Beschichtung in den Dichtstoff: Die Beschichtung wird spröde und reißt, der Dichtstoff zeigt eine geringe Quellung.
2. Weichmachermigration aus dem Dichtstoff in die Beschichtung: Die Beschichtung quillt, wird weich und klebt.

36. Verformbarkeit

Belastbarkeit und maximale Bewegungsaufnahme eines Fugendichtstoffes.
Wichtig: Auftretende Spannungen müssen geringer sein, als die Festigkeit der Haftflächen. Die zulässige Gesamtverformung eines Dichtstoffes wirkt sich entscheidend auf die Fugendimensionierung aus.

37. Wartungsfuge

Fugen, die in regelmäßigen Abständen aufgrund chemikalischer und/oder mechanischer Belastungen überprüft werden müssen.

38. Düse

Hier: separate Kartuschenspitze, die zu jeder Kartusche mithgeliefert wird.

39. Silikone

Silikone sind sicherlich die bekanntesten einkomponentigen, luftfeuchtehärtenden Dichtstoffe. Sie zeigen generell eine ausserordentlich hohe UV- und Witterungsbeständigkeit und sind sehr hitzestabil. Spezialtypen erreichen eine dauernede Hitzefestigkeit von bis zu 250 Grad C. Es existieren mehrere unterschiedliche Arten von Silikondichtstoffen, je nach der zugrundeliegenden Härtungsreaktion. Allen einkomponentigen Silikonen ist gemeinsam, dass sie nach Zutritt von Luftfeuchtigkeit unter Abspaltung kleiner Moleküle in einer Kondensationsreaktion vernetzen. Bei den Essig- und Aminsystemen zeigt eine vollständige Geruchsfreiheit die endgültige Durchhärtung an. Wegen der Reaktionsfreudigkeit der abgespaltenen Essigsäure bzw. des Amins können empfindliche Untergründe beeinträchtigt werden. Wurden die Silikondichtstoffe herstellerseits mit Fungiziden ausgerüstet, können sie auch für einige Zeit in feuchtwarmem Klima verwendet werden, bevor sich Schimmel darauf bilden kann.

40. Polyurethane PU

Die einkomponentigen, weichen Polyurethandichtstoffe haben im Baubereich die zweikomponentigen Polysulfide wegen ihrer leichteren Verarbeitbarkeit schon lange abgelöst. Im handwerklichen und industiellen Bereich werden die Polyurethane sehr universell eingesetzt, da sie sowohl dichtende als auch (elastisch) klebende Funktionen aufweisen. Insbesondere bei Fugen, die sich stark bewegen, profitiert man von der hohen Reißfestigkeit bzw. Reißdehnung der PURs. Praktisch jede moderne Automobilscheibe (auch bei Bussen und LKWs) wird mit den sog. DGX-Direktverglasungs-Polyurethan Kleb/Dichtstoffen in der Karosse befestigt und gleichzeitig abgedichtet. Auch bei Straßenbahnen und Zuggarnituren werden die Scheiben meist mit DGX-PUR elastische eingeklebt. Im sonstigen industriellen Bereich müssen die meisten dem Außenlicht ausgesetzten (hellen) PU-Dichtstoffe überlackiert werden, denn sie zeigen bei UV-Einwirkung eine leichte Vergilbung, manchmal sogar Rißbildung. Dies kann z.B. beim Wohnwagenbau nicht toleriert werden.

41. MS-Polymer Produkte

MS-Polymer Produkte sind die jüngsten “Kinder” in der Familie der reaktiven einkomponentigen Dichtstoffe. Dieses neuartige Polymer wurde Mitte der Siebziger Jahre entwickelt und befindet sich seit seiner Verwendung in elastischen Dichtstoffe (auch - stark zunehmend - in elastischen Klebstoffen) auf einem Siegeszug ohnegleichen. Dichtstoffe auf der Basis MS-Polymer (MS=Modifiziertes Silan) härten neutral aus und weisen ein sehr abgerundetes Eigenschaftsprofil auf: UV- und Witterungsstabilität, (meist) primerlose Haftung auf vielen Untergründen, hohe Elastizität auch bei tiefen Temperaturen und Überlackierbarkeit mit lösemittelhaltigen und Dispersionsfarben. Eine detaillierte Beschreibung dieser noch vergleichsweise neuen Technologie findet man unter Literatur und hier. Auf vielfache Nachfrage hin hier eine ungefähre chemische Formel des MS-Polymers:

CH3(CH3O)2Si~~~~~~~~~~~~~Si(OCH3)2CH3.

Der “Backbone”, also das Polymerrückgrat ist Polyoxypropylen. Nach diesem Polymerrückgrat benennen manche Dichtstoffhersteller ihr Produkt: POP. Andere bezeichnen das Polymer als SMP, silanmodifiziertes Polymer, manchmal auch als Hybridpolymer etc. Der Phantasie sind hierbei keine Grenzen gesetzt.

MS-Polymer Produkte finden mittlerweile breite Anwendung im Fahrzeugbau, Apparatebau, in der Containerindustrie, Elektronik und in der Bau(zuliefer)industrie. Es hat sich gezeigt, dass in manchen (!), scheinbar aussichtslosen Fällen, mit MS-Polymer Produkten noch gute Lösungen möglich waren, bei denen andere Systeme versagt hatten. Bei “schwierigen” Abdichtaufgaben sollte also ggf. ein MS-Produkt mitberücksichtigt werden.

42. Polysulfide

Die Polysulfiddichtstoffe (vielfach auch noch historisch bedingt “Thiokoldichtstoffe” genannt) sind eine sehr “alte” Gruppe von Produkten und schon seit über 60 Jahren bekannt. Sie härten einkomponentig zwar ziemlich langsam durch, zeigen dafür aber einen sehr hohen Diffusionswiderstand gegen Wasserdampf und besonders gegen Gase. Aufgrund des Schwefelanteils im Polymer ergibt sich zudem eine sehr hohe Chemikalienfestigkeit der ausgehärteten Dichtstoffe. Diese macht man sich z.B. im Flugzeugbau, im Apparatebau für die chemische Industrie und bei der Tankstellenbodenabdichtung zunutze.

Eine wesentlich größere Bedeutung als die einkomponentigen Systeme haben die zweikomponentigen bei der Herstellung von Isolierglasfenstern. Mit speziellen Polysulfiddichtstoffen werden die beiden Scheiben einer Isolierglaseinheit zusammengeklebt bzw. abgedichtet. Übrigens: Zwischen den beiden Scheiben befindet sich kein (!!!) Vakuum, sondern meist Argongas (früher Luft), welches die Wärmedämmwirkung der Doppelscheibe verbessert. Wäre, wie gelegentlich vermutet wird, “Vakuum” zwischen den Scheiben, hätte man zwar eine ideale Wärmedämmung, aber: Der Luftdruck würde die beiden Scheiben sofort zusammendrücken. Entweder zerbrächen sie unter der Belastung oder die beiden Glastafeln kämen in Kontakt - die Folge wäre minimale Isolationswirkung gegen Wärmeverluste.

43. Kautschukprodukte

Dichtstoffe auf der Basis reaktiver Kautschuke werden fast ausschließlich in der Serienproduktion von Automobilen eingesetzt. Der Grund: hier stehen während des Einbrennens des Lacks bei rd. 160 Grad C. ausreichende Temperaturen zur Verfügung, um den Kautschukdichtstoff zu vulkanisieren. Neben der rein dichtenden (und damit toleranzausgleichenden) Funktion von blähfähigen Produkten übernehmen viele Kautschukdichtstoffe auch die Übertragung von Kräften. Sie fungieren also auch als (elastischer) Klebstoff, wenn es z.B. gilt, die Spiegel und eine Motorhaube elastisch, aber doch fest zu verbinden.

 

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